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Der Zimmermann

Zwei Brüder lebten harmonisch in zwei Bauern höfen,
die nahe beieinander lagen. Sie hatten eine gut funktionie-
rende Getreideproduktion, einige Rinder, und sie kümmer-
ten sich gut um ihre Schweine.
Eines Tages hatten sie einen kleinen Streit. Die Gründe da –
für waren weniger wichtig: ein Kalb des jüngeren Bruders
war herumgestreunt und hatte einen nicht un bedeutenden
Teil des Maisfeldes des älteren Bruders gefressen. Sie
waren leicht verärgert und stritten sich. Zunächst sah es
so aus, als sei die Sache erledigt.
Doch dem war nicht so. Plötzlich sprachen sie nicht mehr
miteinander. Sie vermieden es, einander im Laden oder auf
der Straße anzutreffen. Sie taten so, als kennten sie sich
nicht.
Eines Tages erschien ein Zimmermann auf Arbeitssuche auf
dem Hof des älteren Bruders. Dieser sah ihn von oben bis
unten an und sagte ihm mit mancher Traurig keit in der
Stimme: »Siehst du den Bach, der da unten entlang fließt?
Er ist die Grenze zwischen meinem Bauernhof und dem
meines Bruders. Baue mit all dem Holz, das du in diesem
Wäldchen findest, einen sehr hohen Zaun, so dass ich
nicht mehr gezwungen bin, meinen Bruder oder seinen
Hof wiederzusehen. Auf diese Weise werde ich meinen
Frieden finden.«
Der Zimmermann nahm den Job an, ergriff das Werk zeug
und schritt ans Werk. In der Zwischenzeit ging der ältere
Bruder in die Stadt, um sich um seine Geschäfte zu küm-
mern.
Als er spät am Tag zu seinem Hof zurückkehrte, war er
bestürzt über das, was er sah. Der Zimmermann hatte
keinen Zaun gebaut, sondern eine Brücke über den Bach,
die nun beide Höfe miteinander verband.
Und er sah, wie sein jüngerer Bruder über die Brücke
kam und sagte: »Bruder, nach all dem, was zwischen uns
geschah, kann ich kaum glauben, dass du diese Brücke
gebaut hast, um zu mir zurück zu finden. Du hast Recht;
es ist Zeit, unseren Zwist zu beenden. Komm in meine
Arme, Bruder!«
Und sie umarmten einander herzlich und versöhnten
sich. Der eine Bruder fand seinen anderen Bruder wieder.
Plötz lich sahen sie, dass sich der Zimmermann ent fernte.
Sie riefen ihn: »He, Zimmermann! Bitte geh nicht weg.
Bleibe ein paar Tage bei uns … Du hast uns so viel Freude
be reitet … «
Doch der Zimmermann erwiderte: »Ich kann nicht
bleiben. Weltweit müssen noch andere Brücken gebaut
werden. Es gibt immer noch zu viele Menschen, die mit –
einander versöhnt werden müssen.« Und der Zimmer mann
ging ruhig davon, bis er in einer fernen Kurve des Weges
aus dem Blickfeld verschwand.