Anpralllast auf Carports

Anprall eines Autos
Anprall eines Autos (c) www.regionews.at

Unser Kollege
Kurt Pock KP ZT
hat – wie so oft – ein interessantes Thema zur Diskussion gestellt:
Wie und in welcher Größe ist die Anpralllast auf Holzstützen von Carports anzusetzen?

Horizontallasten für Carportstützen

ÖNORM B 1991-1-1 verweist für Anfahrstöße an tragende Bauteile auf ÖNORM EN 1991-1-7 und ÖNORM EN 1991-1-1:2011, Anhang B.

  1. Teil 1-7: Allgemeine Einwirkungen – Außergewöhnliche Einwirkungen
    (ÖNORM B und EN 1991-1-7, Links: en, asi)
  2. Teil 1-1: Wichten, Eigengewicht und Nutzlasten im Hochbau
    (ÖNORM B und EN 1991-1-1, Links: en, asi)

Laut EN 1991-1-7, Tabelle 4.1 ist für PKW in Fahrtrichtung eine
außergewöhnliche statische Horizontalkraft von in Höhe.
Das entspricht einer Masse von 5 to. Quer zur Fahrtrichtung sind anzusetzen. Die Horizontalkraft ist nur in eine der beiden Richtungen und nicht in beide gleichzeitig anzusetzen.

Diese Einwirkung gilt für allgemeine Tragwerke, “Leichtbautragwerke (z. B. Gerüste, Beleuchtungsmasten, Fußgängerbrücken)” werden hier ausgenommen, wie Anmerkung 1 zu Abschnitt 4.1 zu entnehmen ist.

In EN 1991-1-1, Anhang B Absturzsicherung und Schutzplanken für Parkhäuser wird die Nutzlast aus dem elastischen Stoß eines Fahrzeuges beschrieben.

Die Masse wird in der Norm mit angenommen, als Geschwindigkeit wird für Carports eine eigene Festlegung zu getroffen.
Als Verformung des Fahrzeuges und des Tragwerks wird der Norm entsprechend angesetzt.

Mit diesen Annahmen erhält man eine Horizontalkraft als Nutzlast in der Größe von auf Höhe der Stoßstange über dem Boden.

Die Wahl der richtigen Einwirkung obliegt aus unserer Sicht dem Planer. Für Carports scheint die Annahme der geringeren Einwirkung vertretbar und nach obigen Ausführungen auch der Norm entsprechend.

Anprall durch Stapler

Für Hallen mit Staplerbetrieb ist laut EN und B 1991-1-7 als außergewöhnlicher Lastfall eine statische Horizontalkraft von mit in der Höhe über dem Boden anzusetzen.

Horizontallasten auf Absturzsicherungen

Auf Höhe des Geländerholms oder in der Höhe bis zu 1,2 m auf Zwischenwänden ist nach Tabelle 6 der ÖNORM B 1991-1-1 abhängig von der Nutzungskategorie anzusetzen:

Nutzungskategorie qk
[kN/m]
Kategorien A und B1 0,5
Kategorien B2 und C1 1,0
Kategorien C2 bis C4 und D 1,0
Kategorie C5 3,0
Kategorie E 1,0

Regelung nach DIN

Wie unser Kollege Wolfgang Steiner feststellt, dass sich nach DIN 1991-1-1, Tabelle NA.2-4.1 für Garagen und Carports ebenfalls ein Wert für die Anpralllast von F = 10 kN ergibt.

Er weist auch darauf hin, dass es Fallweise sinnvoll sein kann, den Ausfall einer Stütze zu betrachten um einen progressiven Kollaps zu vermeiden.

Normenstand

Für die obige Zusammenfassung wurden folgende Normen des ASI verwendet:

EN 1991-1-1:2011-09-01
B 1991-1-1:2011-12-01

EN 1991-1-7:2007-04-01
B 1991-1-7:2006-11-01

Veröffentlicht von

Wallner-Novak

Bauingenieur im Bereich konstruktiver Holzbau, Software für Holzbau, Lehrender an der FH Joanneum Graz. Familie mit zwei Kindern.